In den vergangenen Monaten und Jahren wurde bei Google Ads das Thema Automatisierung immer weiter vorangetrieben. Die „automatisch angewendeten Empfehlungen“ setzen diesen Trend nun nahtlos fort – und erwischten einige SEA-Manager und Google Ads-Agenturen auf dem falschen Fuß.

Was sind die automatisch angewendeten Empfehlungen?

Blicken wir zunächst ein wenig zurück. Bereits Anfang 2019 kündigte Google die automatisch angewendeten Empfehlungen an:

Unter dem Motto „Wir kümmern uns um Ihre Kampagnen, damit Sie sich um Ihr Geschäft kümmern können“ kündigte Google damals an, unter anderem Keywords automatisiert anzupassen. Also nicht nur die Höhe der Gebote, sondern die eingebuchten Keywords selbst, was die durch Google ermöglichte Automatisierung auf ein neues Level hebt.

Der Aufschrei in der Szene war damals vor allem deswegen groß, weil Google ankündigte, dass jeder Account-Manager händisch per Opt-out ablehnen müsste, wenn er die automatisch angewendeten Empfehlungen nicht nutzen möchte.

Mysteriöse Keywords sorgen für Aufsehen

Danach war es erst einmal eine ganze Weile still um das Thema. Fast zwei Jahre später wurden nun aber Meldungen laut, dass „mysteriöse Keywords“ in Kampagnen auftauchten – und die automatisch angewendeten Empfehlungen der Grund dafür seien. Aufgefallen war, dass in einigen Ads-Kampagnen deutlich zu viel für nie eingebuchte Keywords ausgegeben worden war. Im Kontoverlauf von Google Ads, in dem eigentlich alle Änderungen festgehalten werden, konnte aber nichts gefunden werden.

Der Google Support verwies in dem konkreten Fall schließlich auf das Control Center für automatisch angewendete Empfehlungen.

Google Control Center

Empfehlungen werden aktuell nicht automatisch aktiviert

Über das Control Center können die automatischen angewendete Empfehlungen aktiviert werden. Es scheint jedoch so zu sein, dass die Empfehlungen aktuell nicht aktiv abgewählt, sondern im Gegenteil manuell eingeschaltet werden müssen. Statt eines Opt-out-Ansatzes handelt es sich hier also um eine Opt-in-Funktion.

Wer die automatisch angewendeten Empfehlungen also ausprobieren möchte, kann dies tun. Dabei können eine Reihe von Funktionen ausgewählt werden. Von Ziel-CPA-Geboten über dynamische Suchanzeigen bis hin zum automatischen Hinzufügen neuer Keywords.

Bei dem beschriebenen Fall stellte sich im Nachhinein heraus, dass der Kunde die automatisch angewendeten Empfehlungen aus Versehen aktiviert hatte, ohne wirklich zu wissen, was er da gerade tat. Die Auswirkungen dieser Funktion sind nämlich enorm und verhindern eine manuelle Feinjustierung der Ads-Kampagnen fast komplett.

Laut Google sollen die automatisch angewendeten Empfehlungen aber natürlich diverse Vorteile bieten:

  • Anzeigen optimieren: Sie können Ihre Anzeigen optimieren, neue Anzeigen erstellen, die erfolgreichsten Anzeigen am häufigsten schalten und die Anzeigengruppen optimieren.
  • Gebote anpassen: Sie finden die richtige Gebotsstrategie für Ihre Geschäftsziele.
  • Keywords optimieren: Sie erreichen mehr potenzielle Kunden, die sich für Ihr Angebot interessieren.
  • Probleme beheben: Sie können Probleme in Ihrem Konto beheben und den Gesamtzustand sowie die Leistung Ihres Kontos verbessern.

Zur Frage nach Änderungen am Budget gibt Google zudem folgende Auskunft: „Mit dieser Funktion werden weder Budgets auf Kontoebene erhöht noch Budgets auf bestehende Kampagnen neu verteilt.“

Der nächste Schritt hin zur kompletten Kontrollabgabe

Dass Google die automatisch angewendeten Empfehlungen als Opt-in-Funktion herausgebracht hat, dürfte viele Kritiker besänftigen. Nichtsdestotrotz sind die Empfehlungen neben den immer weicher werdenden „Exact Matches“ – um nur ein Beispiel zu nennen – ein weiterer Schritt dahin, Google immer mehr die Kontrolle über die Keywords und Gebote bei Google Ads zu überlassen.

Für manche Werbetreibenden mögen diese Automatisierungs-Funktionen reizvoll sein. Klar ist aber, dass Google dabei vor allem auf einen höheren Umsatz und weniger Kontrolle für die Ads-Agenturen und SEA-Manager abzielt, denen an einer sinnvollen Steuerung der Ads-Kampagnen gelegen ist. Gerade bei kleineren Accounts sind die Empfehlungen von Google nämlich häufig alles andere als sinnvoll. Unserer Erfahrung nach müssen die automatischen Vorschläge von Google insbesondere für Keywords genau geprüft werden. Bei unterschiedlichsten Kundenprojekten waren viele Vorschläge in der Vergangenheit doch sehr unpassend, weswegen wir im Moment noch ganz klar von einer derartigen Kontrollabgabe an Google abraten. Wenn in einem Online-Shop beispielsweise ausschließlich Matratzen und Decken angeboten werden, durch die automatisch angewendeten Empfehlungen aber auch Lattenroste und Bettlaken beworben werden, dann ergibt das einfach keinen Sinn.

Da bleibt nur abzuwarten, wie lange Funktionen wie die automatisch angewendeten Empfehlungen optional bleiben und nicht zur Standard-Einstellung werden.