Seit dem 4. Februar sind bei Google Analytics zwei Kennzahlen nicht mehr verfügbar, die über Jahre hinweg hilfreich für das Tracking-Setup waren: Der Internetanbieter (Service-Provider) sowie die Netzwerk-Domain (Network Domain). Im User-Interface von Google Analytics wird unter „Zielgruppe > Technologie > Netzwerk“ nun also nicht mehr angezeigt, wie viele Ihrer Nutzer die Deutsche Telekom, Vodafone oder Kabel Deutschland als Internetanbieter haben. Stattdessen wird seit Anfang Februar einfach bei allen Usern der Wert „(not set)“ angezeigt:

Google Analytics Internetanbieter

Warum sollte mich das stören?

Wer noch nie von der nun nicht mehr verfügbaren Funktion gehört hat, der wird sich wohl auch weiterhin mit den Standard-Metriken von Google Analytics zufriedengeben. Manche Nutzer von Google Analytics haben diese Funktion aber durchaus als sinnvoll empfunden, weswegen es in der Szene auch durchaus einen kleinen Aufschrei gab:

Von welchem großen Internetanbieter die Nutzer einer Website stammen, ist für die meisten tatsächlich eher uninteressant. Bei vielen Nutzern mit Firmenkunden-Internetzugang wurde als Internetanbieter jedoch der eigene Firmenname übermittelt. Wer in der Übersichtsliste also etwas heruntergescrollte, der konnte auch sehen, von welchem Firmen-Netzwerk Nutzer auf die Seite gelangten. Soll heißen: Sie konnten sehen, wie oft Mitarbeiter, die in einer bestimmten Firma eingeloggt waren, auf Ihrer Website unterwegs waren. Gerade im B2B-Bereich birgt diese Funktion ein großes Potenzial. Wenn eine andere Firma offensichtlich Interesse an Ihnen und Ihrem Angebot hat, konnten Sie diese direkt kontaktieren.

Von manchen wurde die Metrik auch genutzt, um Bots und Spam zu filtern – ebenfalls eine praktische Funktion, die nun leider nicht mehr so einfach genutzt werden kann.

Und jetzt?

Über die genauen Gründe dafür, dass Google diese Metrik bei Analytics nicht mehr angibt, kann nur spekuliert werden. In einer kurzen Stellungnahme kommentierte Google die Änderung einfach damit, dass die Änderung das Ergebnis eines natürlichen Entwicklungsprozesses sei. Anders gesagt: Google will sich mal wieder nicht in die Karten schauen lassen.

Googles Stellungnahme

Da bleibt nur die Frage: Was können Sie machen, wenn Sie nicht auf die Daten bezüglich des Internetanbieters verzichten möchten?

So bekommen Sie die Internetanbieter-Metrik zurück

Um ISP-Daten Ihrer Nutzer wieder wie gewohnt auslesen zu können, brauchen Sie drei Hilfsmittel: den Google Tag Manager, die IP-Geolocation Templates für den Tag Manager von Simo Ahava und einen API-Schlüssel von ipgeolocation.io.

1. Besorgen Sie sich einen API-Schlüssel

Zunächst brauchen Sie einen API-Schlüssel von ipgeolocation.io. In der kostenlosen Variante stehen Ihnen immerhin 30.000 Zugriffe im Monat mit einem täglichen Maximum von 1.000 zur Verfügung. Sollte Ihnen das nicht ausreichen, müssen Sie auf die kostenpflichtige Variante upgraden.

API-Schlüssel

2. Konfigurieren Sie das Template IP Geolocation API

Nachdem Sie den API-Schlüssel haben, fügen Sie das Template IP Geolocation API Ihrem Arbeitsbereich hinzu. Erstellen Sie nun ein neues Tag im Google Tag Manager mit dem Template als Grundlage. Tragen Sie den API-Schlüssel einfach an der passenden Stelle ein, die übrigen Einstellungen können Sie so lassen, wie sie sind.

API Einstellungen

3. Fügen Sie bei Analytics benutzerdefinierte Dimensionen hinzu

Sobald das Tag aktiviert ist, müssen Sie in Google Analytics benutzerdefinierte Dimensionen erstellen. Navigieren Sie dazu zu „Verwaltung > Benutzerdefinierte Definitionen > Benutzerdefinierte Dimensionen“. Dabei können Sie als „Umfang“ entweder „Sitzung“ oder „Nutzer“ auswählen. Da sich der zu einer IP-Adresse gehörige ISP in der Regel nicht kurzfristig ändert, sollte dieser Wert auf Ebene von „Sitzungen“ ermittelt werden. Dies ermöglicht uns zudem die in Punkt 6 beschriebene Optimierung.

Benutzerdefinierte Dimension hinzufügen

4. Trigger, Ereignis-Tag und Variablen erstellen

Damit das Tag auch aktiviert werden kann, müssen Sie als nächstes einen Trigger im Google Tag Manager erstellen, der bei benutzerdefinierten Ereignissen aktiviert wird:

Als nächstes erstellen Sie Datenschichtvariablen, die auf die Felder ISP und hashedIp zurückgreifen. Grundsätzlich können Sie beliebig viele auf APIs basierende Datenschichtvariablen erstellen.

Data Layer

Zum Abschluss brauchen Sie nur noch ein Ereignis-Tag. Achten Sie bei der Konfiguration neben der Einbindung der benutzerdefinierten Dimensionen darauf, dass das Feld „Treffer ohne Interaktion“ auf „Wahr“ gestellt ist. Außerdem braucht das Tag einen Trigger, der bei dem von Ihnen gerade erzeugten benutzerdefinierten Ereignis ausgelöst wird.

5. Das Setup testen

Nachdem Sie alle Einstellungen vorgenommen haben, sollten Sie mit der Erweiterung GTM/GA Debug testen, ob alles funktioniert hat. Nach einigen Stunden können Sie dann checken, ob die Daten korrekt bei Google Analytics ankommen und ausgewertet werden können.

6. Ladezeiten optimieren & Credit-Bedarf minimieren

Die implementierte Lösung fragt bei jedem Seitenaufruf den Internetanbieter der IP-Adresse erneut an. Das verursacht zum einen unter Umständen unnötige Ladezeiten, zum anderen wird das Credit-Limit von ipgelocation.com schnell aufgebraucht. Da sich der ISP zu einer IP in der Regel nicht kurzfristig ändert, kann mit Hilfe des Tag Managers vermerkt werden, dass dieser bereits an Google Analytics übermittelt wurde und so keine weiteren Abfragen erfolgen müssen.

Dazu benötigen wir zunächst ein kleines „Hilfstag“, dass ein Cookie setzt, wenn der ISP an Google Analytics übergeben wurde:

Fügen Sie dazu ein Tag vom Typ „Benutzerdefiniertes HTML“ hinzu und geben Sie folgenden Code ein:

<script>

var expirationTime = 1800 * 1000; // 30 Minuten

var date = new Date();

var dateTimeNow = date.getTime();

date.setTime(dateTimeNow + expirationTime);

var date = date.toUTCString();

document.cookie = „iit=true; expires=“+date+“; path=/; domain=.“ + location.hostname.replace(/^www\./i, „“);

</script>  

Das Tag erstellt bei Auslösung das Cookie mit dem Namen „iit“ und dem Wert „true“ mit einer Gültigkeit von 30 Minuten (danach wird es automatisch gelöscht). Speichern Sie das Tag OHNE einen auslösenden Trigger (die Warnmeldung können Sie ignorieren).

Jetzt müssen Sie den Tag Manager so konfigurieren, dass dieses „Hilfstag“ ausgelöst wird, sobald die IP-Adresse – wie in Schritt 4 beschrieben – an Google Analytics übermittelt wurde. Dazu öffnen Sie das Google Analytics Ereignis-Tag mit dem ISP Ereignis und klicken auf „Erweiterte Einstellungen“ -> „Tag-Reihenfolge“ -> „Ein Tag auslösen, nachdem … ausgelöst wurde“ und fügen Sie dort das eben erstellte „Helfer-Tag“ hinzu.

Analytics tag

Im nächsten Schritt müssen Sie sicherstellen, dass das IP Geolocation Tag nur noch ausgelöst wird, wenn das durch den Hilfs-Tag erstellte IIP Tag NICHT existiert. Dazu benötigen Sie zunächst den Inhalt des Cookies als Tag Manager Variable:

Variable

Anschließend erstellen Sie einen Trigger vom Typ „Seitenaufruf – Seite geladen“ mit folgenden Bedingungen:

TrackISP

Zu guter Letzt muss im „Geoip Tag“ noch der auslösende Trigger geändert werden. Statt „Alle Seitenaufrufe“ sollte dort nun der eben erstellte Trigger hinterlegt werden:

Fazit

Es mag auf den ersten Moment ärgerlich sein, dass Google das Tracking des Internetproviders nicht mehr unterstützt. Mit dem hier skizzierten Workaround können Sie aber nicht nur den Internetanbieter, sondern auch die hashed IP eines Nutzers tracken. Letzteres kann besonders bei der Identifikation von Bots hilfreich sein.